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Verbessern, nicht verschlechtern, fordert die Stadtverwaltung für die Bahnstrecke Mühlacker-Heidelberg

Die Stadt Mühlacker tritt mit Nachdruck ein für den Erhalt der heutigen Direktverbindung von Mühlacker nach Heidelberg – Nein zu einem Umsteigezwang in Bruchsal

Mühlacker. Die Stadt Mühlacker wendet sich gegen Pläne der Nahverkehrsgesellschaft
Baden-Württemberg die heutige zweistündliche direkte Regionalexpress-Verbindung von Mühlacker nach Heidelberg zu streichen. Vielmehr muss, sollten die laufenden Planungen umgesetzt werden, zukünftig in Bruchsal umgestiegen werden. Zudem soll gleichzeitig die Verbindung um eine Stunde verlegt werden. „Das muss verhindert werden“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt von heute (Freitag).

Günter Bächle, Erster ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters: „Wir erfuhren zufällig davon, als uns gestern die Beschwerde einer Bürgerin schon über den jetzigen Fahrplan erreichte und wir der Sache nachgingen. Ein Anruf bei VCD-Chef Matthias Lieb ergab, dass keine Verbesserung geplant ist, sondern sogar eine weitere Verschlechterung. Wir waren uns mit ihm einig, dass die Stadt sich dagegen wehren muss.“ Das tut die Stadtverwaltung nun in einem Brandbrief an die Nahverkehrsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg (NVBW).

Fernreisende, die ab Heidelberg mit Fernzügen Richtung Rheinland fahren möchten, haben heute gute Anschlüsse in Heidelberg - mit einer Verlegung um eine Stunde fallen diese Anschlüsse weg. Nicht nur das: Die Fahrplanänderung würde außerdem bedeuten, dass morgens um 7 Uhr ab Mühlacker keine Verbindung mehr Richtung Heidelberg bestünde. Derzeit wird gerade diese Verbindung sowohl im Schülerverkehr nach Bretten als auch im Berufsverkehr aufgrund der attraktiven Zeitlage genutzt. Eine Verschiebung um eine Stunde wäre hier für viele Fahrgäste negativ, ebenso ist der nochmalige Umstieg in Bruchsal, der zudem mindestens in einer Richtung einen weiteren Bahnsteigwechsel erfordert, unattraktiv und aufgrund der kurzen Umsteigezeit auch unsicher, bewertet die Stadt die Pläne der NVBW.

Die RB-Verbindung zwischen Heidelberg und Mühlacker ist zudem auch eine wichtige Pendlerstrecke in Richtung Landeshauptstadt, heißt es in der Mitteilung aus dem Rathaus.
Bisher konnten diese Pendler in Mühlacker mit einmaligem Umstieg Richtung Stuttgart weiter. Bei einer Reisedauer von gut über einer Stunde stellt diese Strecke eine attraktive Alternative zum Individualverkehr dar. Doch schon heute kommt es angesichts der knapp bemessenen Umsteigezeit in Mühlacker sowie gehäufter Zugausfälle in regelmäßigen Abständen zu Problemen bei dieser Verbindung. Enttäuschte Reisende sowie sportliche Sprint-Einlagen sind längst Alltag, auch am Mühlacker Bahnhof. Ein weiterer Zwischenstopp in Bruchsal samt Umstieg, somit also ein weiteres Nadelöhr für Probleme, ist hier in keinster Weise förderlich, heißt es in dem Schreiben, das Günter Bächle unterzeichnet, der diese Woche, OB Frank Schneider im Rathaus vertritt. Seine Einschätzung: „Grundsätzlich ist zu erwarten, dass zahlreiche Pendler wieder aufs Auto umsteigen. Das kann aber nicht das Ziel sein angesichts der ÖPNV-Offensive des Landes.“

Insofern spricht sich die Stadt Mühlacker mit Nachdruck für den Erhalt der heutigen Direktverbindung von Mühlacker nach Heidelberg aus. Da die Planungen leider weit fortgeschritten sind, lassen sich diese Verschlechterungen (Wegfall Direktverbindung nach Heidelberg) möglicherweise kurzfristig nicht beseitigen, wiewohl wir das erstrangig fordern. Zur Minimierung der Nachteile für die Fahrgäste wäre aber mindestens die Verbindung um 7 Uhr ab Mühlacker (bis Bruchsal mit Anschluss an RE nach Heidelberg) täglich beizubehalten. Sollte ansonsten auf die Abfahrt in Mühlacker zur geraden Stunde gesprungen werden (statt heute ungerader Stunde), wäre das Angebot wenigstens täglich von 6 Uhr bis mindestens 22 Uhr anzubieten. Nur der morgendliche 7-er Zug ist nach Kenntnis der Verwaltung in dieser Zeitspanne momentan zuschlagsfrei.

Schon jetzt gibt es Grund zu Beschwerden, die die Stadtverwaltung aus der Bürgerschaft erreichten und die wir als Stadt gerne aufgreifen. Da es in der heutigen Zeit mit dem bekannten Wohnungsmangel schwer ist, eine zu mietende Wohnung oder ein Studentenzimmer gerade in einer Universitätsstadt wie Heidelberg zu finden, pendeln gerade auch aus unserer Stadt zahlreiche Studierende auf der Strecke Mühlacker nach Heidelberg (Universitäten Stadt). Von 1 Uhr an bis 7 Uhr ist es als Student/Schüler gilt das Semester- beziehungsweise Schülerticket nicht. Der früheste Zug, bei dem diese Tickets wieder gültig sind, fährt ab Mühlacker um 7 Uhr. Folgende Zeit-Rechnung wird konkret in einem Fall aufgemacht: 07:01-08:15 1h 16min + 2 min Gehzeit, somit 8.17 Uhr an PH (wenn alles planmäßig läuft). Doch Unis und Schulen beginnen gewöhnlich um 8.00/8.15 Uhr bzw.
7.30 Uhr. Das Zuspätkommen ist, schreibt die Stadtverwaltung, also vorprogrammiert.

Die Stadt Mühlacker fordert für dieses Strecke mit Nachdruck: Verbessern, nicht verschlechtern. Die Notwendigkeit eines Umstieges in Bruchsal wäre eine deutliche Verschlechterung. Das verträgt sich nicht mit der aktuellen Debatte zum Klimaschutz und den Fakten zum Klimawandel, ist nach Überzeugung der Stadt somit auch umweltpolitisch höchst kontraproduktiv und schädlich. „Gerade von einer landeseigenen Gesellschaft wie der NVBW muss erwartet werden können, nicht gegen die Klimaschutz-Ziele der Landesregierung zu verstoßen.“

Denkbar wäre, so eine Anregung aus der Bürgerschaft, einen Tarif zu entwickeln, der Studenten auf bestimmten Abschnitten von „Uni-Linien“ bei IC und ICE zuschlagfrei stellt. Diesen Vorschlag geben wir gerne weiter, steht in der Stellungnahme aus dem Rathaus.

Ein zweiter Punkt in dem Schreiben an die NVBW:

Seit dem Entfall der Stadtbahnlinien rund um Mühlacker im Sommer 2019 gibt es nur noch sommersonntäglich Direktverbindungen nach Bad Wildbad mit dem Freizeitexpress Enztäler. An allen anderen Tagen muss in Pforzheim (mit Bahnsteigwechsel) umgestiegen werden, dabei bestehen nur ganz kurze Umsteigezeiten. Diese Umsteigeverbindungen bestehen aber nur montags bis samstags - an Sonntagen fahren derzeit die Regionalbahnen, die in Pforzheim den Anschluss an die Stadtbahn nach/von Bad Wildbad herstellen können, überhaupt nicht.

Es gibt dann nur zweistündlich IRE-Verbindungen, die aber nur die Verbindung von Mühlacker Bf herstellen - nicht von den anderen Unterwegshalten. Zwar war bislang zugesagt, dass der Halbstundentakt der Regionalbahnen auch am Sonntag umgesetzt werden soll - allerdings ist die Finanzierung dafür wohl noch unklar. Aber auch dann wäre immer noch der Umstieg in Pforzheim notwendig. Zur Vermeidung des Umstiegs und zur Verbesserung des Angebotes sollten deshalb die sommersonntäglichen Verlängerungen der Regionalbahnen, bis Bad Wildbad Bf täglich angeboten werden.

In beiden Anliegen werde die Stadt, wie der OB-Vize ausdrücklich hervorhebt, vom Sprecher des Landesfahrgastbeirats Baden-Württemberg und Landesvorsitzender des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Baden-Württemberg unterstützt: „Unserem geschätzten Mühlacker Mitbürger Matthias Lieb.“