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Bürgerenergie und Stadtwerke zu Gast beim Gesprächskreis für kommunalen Klimaschutz

12. Feb 2024

An jedem zweiten Donnerstag im Monat findet in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Mühlacker der offene Gesprächskreis für kommunalen Klimaschutz statt. Bei diesem können sich Interessierte über Ideen und Maßnahmen hinsichtlich Klimaschutz und Klimawandelanpassungen in Mühlacker und der näheren Region austauschen.

Während bei den meisten Sitzungen des Gesprächskreises frei verschiedene Themen angesprochen werden können, werden auch immer wieder Referenten aus ganz konkreten Bereichen eingeladen. So waren beim Treffen am 8. Februar 2024 Sören Genthner von den Stadtwerken Mühlacker und Jörg Schüle, Geschäftsführer der Friedrich Münch GmbH + Co KG anwesend. Genthner und Schüle sind zudem beide ehrenamtlich Teil des Vorstandes der eingetragenen Genossenschaft der Bürger-Energie Region Mühlacker.

Ziel der Genossenschaft, welche inzwischen über 600 Mitglieder zählt, ist es, Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene zu initiieren oder sich an diesen zu beteiligen und so die Energiewende in Mühlacker voranzutreiben. In diesem Bestreben appelliert die Genossenschaft an alle interessierten Personen, sich der Bewegung anzuschließen. Zudem sei die Genossenschaft aktiv auf der Suche nach geeigneten Dächern oder Flächen für die Errichtung neuer Photovoltaik-Anlagen.

Im Zuge des einstündigen Gesprächskreises beantworteten Schüle und Genthner zahlreiche Fragen der Anwesenden zu aktuellen Projekten beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Mühlacker, gerade in den Bereichen Photovoltaik und Windkraft. Dabei wurden auch durchaus kritische Themen angesprochen, wie z.B. die Auslastung des Stromnetzes, die Wärmeentwicklung bei einer hohen Dichte an PV-Anlagen oder die Flächenversiegelung durch Windräder.

Derartige Sorgen konnten jedoch im Laufe des Gesprächs teilweise ausgeräumt oder zumindest in größere Zusammenhänge gestellt werden: so bestünden derzeit keine Probleme, die in Mühlacker erzeugte Solarstrom auch in das Stromnetz einzuspeisen. Dank konsequenter Investitionen in die Infrastruktur und Versorgungssicherheit sowie permanenter Beaufsichtigung der Netze könne schnell auf Spitzen oder Engpässe reagiert werden.

Die innerstädtische Wärmeentwicklung durch PV-Anlagen sei im Vergleich zu anderen Techniken der Stromerzeugung überschaubar und ließe sich zudem mit zusätzlichen Maßnahmen wie beispielsweise Dachbegrünungen kompensieren. Auch die sogenannte Agri-Photovoltaik, das heißt die parallele Nutzung einer Fläche für Landwirtschaft und Photovoltaikanlagen, sei eine gute Möglichkeit, den Solarstrom ohne zusätzliche Flächenversiegelung auszubauen.
Bezüglich dem Bau von Windkrafträder gäbe es sehr hohe Auflagen, um eine sinnvolle Flächennutzung auch unter Aspekten des Naturschutzes zu gewährleisten. Gleichzeitig sei die Flächeneffizienz der Anlagen enorm: so könnten nur fünf Windkraftanlagen bereits rund zwei Drittel des Strombedarfs decken, der derzeit von den Stadtwerken Mühlacker bereitgestellt wird. Zudem entwickle sich die Technologie hinsichtlich erneuerbarer Energien auch stetig weiter.

Zusammenfassend konnte in der Runde festgehalten werden, dass in Mühlacker bereits mehrere gute Projekte hinsichtlich erneuerbarer Energien existieren, so wurden auch die Biogasanlage und die Flusskraftwerke genannt. Durch den sogenannten enzSTROM-Tarif der Stadtwerke haben Einwohnerinnen und Einwohner die Möglichkeit, nicht nur Strom aus 100 Prozent erneuerbaren und regionalen Quellen zu empfangen, sondern gleichzeitig auch Projekte hinsichtlich Klimaschutz und Klimawandelanpassung zu unterstützen. Gleichzeitig gäbe es aber natürlich auch noch ein starkes Potenzial weiter nach oben. Hervorgehoben wurde vor allem auch die Wichtigkeit einer transparenten Kommunikation nach außen, um einen sachlichen Austausch mit der Bevölkerung zu ermöglichen und um Sorgen oder Fehlinformationen entgegenzuwirken.

Wer in Zukunft über den kommunalen Klimaschutz in Mühlacker mitdiskutieren möchte, ist herzlich zum nächsten Gesprächskreis am 14. März 2024 eingeladen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Der Gesprächskreis kommt um 17 Uhr im ersten Stock der Stadtbibliothek zusammen und dauert circa eine Stunde an.

Jörg Schüle und Sören Genthner (zweiter und dritter von links hinten) aus dem Vorstand der Bürgerenergie eG beim offenen Gesprächskreis für kommunalen Klimaschutz.
Jörg Schüle und Sören Genthner (zweiter und dritter von links hinten) aus dem Vorstand der Bürgerenergie eG beim offenen Gesprächskreis für kommunalen Klimaschutz.